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Der Raum eines Bauwerks ist ein werkspezifischer Raum. Er ist orts- und zeit-gebunden und damit nur eingeschränkt kommunizierbar. Ähnliches gilt für seine Planung und Umsetzung. Umfassend kommunizierbar wird ein Bauwerk erst dann, wenn man es in das Medium des Bildes übersetzt. Dazu existieren seit der Antike zwei komplementäre Modelle mit mathematischem Gerüst: die orthogonale und die malerische Architekturdarstellung. Erst sie eröffnen die Möglichkeit, das Bauwerk zu sehen, ohne es zu sehen.


Die Vormoderne variierte die beiden Modelle hauptsächlich innerhalb der Medien von Skizze, Bauplan, Architekturpublizistik und Stich. Darüber hinaus prägen sie bis heute die Architekturfotografie, die Bild-Textkonfigurationen der wissenschaftlichen und populären Publizistik sowie den konventionellen und digitalen Entwurf - und strukturieren diese mit.


Die traditionelle Architekturgeschichte betrachtet die Architekturmedien dagegen in erster Linie als Entwurfsmittel, als Form der Dokumentation oder als Unterstützung bei der Interpretation der Planungs- und Baugeschichte. Vor diesem Hintergrund erscheinen gerade die vormodernen Bildmedien der Architektur als neutrale Informationsträger ohne gegenseitigen Bezug. Gleichzeitig bleiben sie ohne Relation zu den Bildmedien der Moderne. Vormoderne und moderne Bildmedien sind der Architektur selbst damit nachgeordnet. Die Bildwissenschaften haben dieser Deutung bisher ebenso wenig widersprochen wie die Medienwissenschaften.


Das Netzwerk möchte hier die Basis für eine neue Diskussion schaffen. Als gattungs- und methodenübergreifendes Forum verfolgt es das Ziel, erstmals einen kontextuellen Bezug der vormodernen Architekturmedien untereinander, zur Architektur sowie zur begleitenden Architektur- und Kunsttheorie herzustellen. Es versteht sich als einen Impulsgeber für die Frage, inwieweit die Architekturmedien einerseits die Architektur und andererseits unser Denken über Architektur mitstrukturieren.